Nachdem Jil und ich entschieden haben, eine Arbeit über Ka Moser zu schreiben mussten wir uns zuerst intensiv mit ihrer bisherigen Arbeit auseinandersetzten. Durch Ihr Alter von 78 Jahren und ihrem bisherigen künstlerischen Werdegang, wurden wir automatisch ein wenig eingeschüchtert. Wir wussten, sobald es zu einem Treffen kommen würde, müssen wir uns gut auf das Gespräch vorbereitet haben um ihr den nötigen Respekt gegenüber ihrer Person und ihrer Arbeit zu gewährleisten. Wir recherchierten über Ka, saugten alle findbaren Infos auf und lasen jeden kleinsten Artikel, den man über Ka finden konnte. Praktisch bei unserer Recherche war die Publikation Das Farbengedicht (edition fink, 2004), indem es viele brauchbaren Informationen zu lesen gab über ihren Werdegang und insbesonderen ihres Farbgedichts.
Als nächstes suchten wir eine geeignete Fragestellung, was sich als schwierig herausstellte.
Ka Moser deckt alle Arten von Kunstformen ab: Zeichnung, Malerei, Objekte, Musik, Fotografie, digitale Exkursionen, Prints. Da die Auswahl unüberschaubar gross war, fiel es uns besonders schwer uns auf eine Fragestellung zu einigen. Da Ka Moser eine grosse Palette an Kunstformen zu bieten hat, waren wir überfordert und absolut ratlos, welches Thema unsere Arbeit dominieren wird. Im Gespräch in unserem Team merkten wir beide schnell, dass uns die Persönlichkeit Ka Moser am meisten interessierte. Wer war diese Frau? Was hat sie schon alles erlebt?
Wie kam es zu den doch recht facettenreichen Kunstformen?
All diese Fragen stellten wir uns, und nirgends fanden wir eine konkrete Antwort.
In den Herbstferien haben wir denn Kontakt mit Ka Moser aufgenommen, wir beide erhofften eine Zusagen ihrerseits, weil sie uns bereits zu diesem Zeitpunkt wahnsinnig faszinierte.
Wir schrieben ihr eine nette Mail, in der wir sie fragten, ob sie gelegentlich Zeit hätte ein Gespräch mit uns zu führen. 2 Wochen lang hörten wir nichts, die Nervosität stieg und stieg.
Und dann, nach zwei Wochen des Wartens erhielten wir endlich eine Antwort.
Das Treffen stand. Um ein paar konkrete Fragen vorzubereiten, lasen wir das Buch und orientierten uns an ihrer Biografie, die auf ihrer Internetseite zu lesen war. Der Tag des Gesprächs rückte immer näher und wir wurden nur nervöser. Die Angst vor einer Blamage war einfach zu gross.
Am Vorabend des Gesprächs klingelte dann mein Telefon, am anderen Ende Ka, die noch ein paar Fragen an uns hatte. Was das für eine Arbeit wäre und in welchem Umfang. Dieses Telefongespräch hat mir die Nervosität genommen und hat mich bestätigt in unserer Wahl für Ka.
Sie war von Anfang an auch an uns interessiert als Menschen und war sehr wissbegierig.
Am darauffolgenden Tag besuchten wir Ka in ihrer Wohnung, welches auch ihr Atelier ist in Bern.
Jil und ich haben uns einige wenige Fragen notiert, aber das Hauptziel von uns war, ein Gespräch entstehen zu lassen, da wir beide wussten, das Ka Moser genug zu erzählen hätte, durch ihre langjährige Erfahrung.Und so war es auch. Wir sassen zweieinhalb Stunden in Kas Wohnzimmer und lauschten den spannenden Geschichten und Anekdoten aus ihrem bisherigen Leben.
Hin und wieder erwähnte sie, dieses und jenes sage sie jetzt uns, es sei aber nicht nötig es in die Arbeit mit einzubauen. Innert 5 Minuten entstand einen angenehme Atmosphäre für ein wunderbares Gespräch. Ka Moser ist eine Persönlichkeit, wie man sie selten trifft.
Nach dem Gespräch waren wir aber nur verwirrter als vor dem Gespräch. So viele, interessante Geschichten aus dem Leben einer Künstlerin. Jeder einzelne Schaffensphase wäre perfekt für eine Arbeit. Wir mussten das Gespräch erst ein paar Tage sacken lassen, um uns dann gemeinsam auf ein Thema zu einigen. Einige Tage später war uns recht schnell klar, dass wir nicht einfach nur eine Schaffensphase von Ka Moser näher untersuchen möchten, es käme Ka nicht gerecht. Wir kristallisierten folgende Meilensteine und Wendepunkte heraus:
-Die erste Ausstellung
-Der Wechsel zu den Konzertperformances
-Die Geburt des Farbengedichts
-Digitale Exkursionen
Ein wichtiger Diskussionspunkt war nach diesem Entscheid, wie wir unsere Arbeit gliedern wollen.
Da wir das Gespräch mit Ka nicht aufgezeichnet haben, wäre ein Abdruck des Interviews nicht möglich. Und genau das finden wir besonders spannend, da wir uns nun komplett auf unsere Reportage stützen können. Wir haben uns dafür entschieden, die Reportage als das Herzstück der Arbeit erscheinen zu lassen. Die Reportage soll dem Leser Einblick schenken in das Leben und das Arbeiten der Ka Moser.
Um offene Fragen zu klären zu den Meilensteinen, vereinbarten wir mit Ka Moser ein
zweites Treffen. Bereits beim Eintreten in das Haus, empfängt einen die Vertrautheit der Atmosphäre des Gebäudes. Wir nehmen auf denselben Stühlen Platz und bekamen die Antworten auf die noch offenstehenden Fragen. Bevor wir gingen, wurden wir noch verpflegt mit Vermicelles und Kaffee. Am Tisch mit Ka Moser, ganz frei von schulischen Aufgaben, genossen wir das Gespräch mit ihr. Am Ende haben wir noch versprochen, die fertige Arbeit vorbeizubringen.
In der Schule haben wir uns ans Schreiben gemacht. Erste Texte und Gliederungen wurden verfasst. Das Zeitmanagement war nicht unsere grösste Stärke, aber wie auch Ka Moser selber sagte, mit Zeitdruck arbeitet es sich meistens besser.
Entstanden ist eine Arbeit, die mit seinem Herzstück, der Reportage, den Leser in die Welt von Ka Moser eintauchen lässt und die Faszination zu der Künstlerin näher bringen soll.